Malen auf Haut mit feiner Nadel .

 

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Magie der Tattoos fasziniert schon seit vielen Jahrhunderten die Menschheit. Heute ist für viele das Tragen dieses Körperschmucks so selbstverständlich geworden, wie das benutzen von Kleidung. Waren es früher Herzen, Segelschiffe, Anker und der Name der Liebsten, die den Körper schmückten, sind es heute Tribels, ornamentartige angeordnete Linien in schwarz, die den Tattoo-Fan schmücken.

Die Technik, Tribels zu stechen, gehört mittlerweile zum kleinen einmal eins des Tätowierers. Die Künstler mit der feinen Nadelmaschine können aber weit aus mehr, als nur schwarze Linien ziehen.Eher sehen sie sich als Maler, die die Leinwand gegen die menschliche Haut ausgetauscht haben. So lassen sie beispielweise Drachen oder andere Fabelwesen in feinsten Schattierungen und "lebensecht" auf Oberarm, Rücken oder Bein erstehen.

Der Vielfalt und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und jeder kann sich sein zu ihm passendes Motiv aussuchen. Bei der Beratung achten die meisten Tätowierer darauf, dass das gewählte Motiv gut zu seinem Träger passt. Zu einem guten Erscheinungsbild müssen die Proportionen des Tattoos zur Anatomie des Kunden passen. Ein großes Tattoo zum Beispiel auf einem dünnen Oberarm sieht oft deplaziert aus und stört die allgemeine Körperästhetik.

Und wenn ein dauerhaftes Bild auf der Haut über einem Gelenk gestochen wird, muss die Motivänderung bei der Bewegung beachtet werden, denn verzerrte Motive wirken oft fratzenhaft und unproffesionell. Beim Oberarm etwa ist die Kenntniss der muskulären Topographie von entscheidener Wichtigkeit. Es kann nämlich vorkommen, dass Motive, die bei entspannten Musklen gut aussehen unter Muskelspannung zu einer undiffinierten Farbfläche mutieren und damit nichts mehr mit dem Ursprungmotiv zu tun haben. Werden die körperlichen Gegebenheiten entsprechend mit einbezogen, können sie das Erscheiningsbild des Tattoos massgeblich positiv oder auch negativ beeinflussen. Bei figürlichen Bildern ist die Blick-und Bewegungsrichtung wichtig, um das Gesamtbild abzurunden und zu einem perfekten Ergebnis zu führen. Da ein Tattoo einen das ganze Leben über begleitet, sollte der Motivwahl grosse Aufmerksamkeit gewidmet werden, damit auch noch nach Jahrzehnten dem Geschmack des Trägers entspricht.

 

Geschichtliches zum Tattoo


Faszinierende Körperkunst: Tattoos

Tattoo
Sie sind Ausdruck von Individualität und Unabhängigkeit, von Rebellion oder Abenteuerlust, schmücken Fußgelenke oder Oberarme, ganze Rücken oder sehr intime Stellen. In die Haut gestochen werden keltische Ornamente oder asiatische Schriftzeichen, Echsen, Drachen, Delfine, Rosen oder Pin-ups - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Seit jeher hat es den Menschen fasziniert, seinen Körper zu verändern und zu verschönern. Die Anfänge der Körperbemalung und Tätowierung liegen weit zurück. Archäologische Funde lassen vermuten, dass bereits in der Altsteinzeit Mineralien zur Herstellung von Tätowierungen verwendet wurden. Im alten Rom wurde den Rekruten des Heeres der Name ihres Kaisers in den Handrücken gebrannt oder gestochen, um Desertionen zu verhindern. Als Zeichen der Schande dagegen dienten Tätowierungen und Brandmarken, mit denen im Mittelalter Verbrecher gekennzeichnet wurden.

In Europa begann die Geschichte der modernen Tätowierung als Ende des 17. Jahrhunderts die ersten Seefahrer Tätowierungen aus der Südsee mitbrachten. Im 18. Jahrhundert wurden tätowierte Polynesier an den Fürstenhöfen herumgereicht und bestaunt. Eine daraufhin einsetzende Modewelle verhalf den Tattoos zum Einzug in höchste gesellschaftlichen Kreise.

Lange Zeit galten Tätowierungen dann aber als Phänomen sozialer Randgruppen und waren vom Hauch des Verwegenen umgeben. Tattoos zierten Seeleute und Knastbrüder; Artisten und Zirkusleute verdienten mit der Zurschaustellung der kunstvollen Hautmuster ihren Lebensunterhalt.

Seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gilt die Körperkunst als Ausdrucksmittel persönlicher Freiheit und Selbstverwirklichung – und was damals bei Hippies, Punks und Rockern begann, hat längst auf alle gesellschaftlichen Schichten übergegriffen.

Tattoos sind eine eigenständige Kunstform und heute beliebter denn je. Es gibt Tattoo-Museen, Festivals und Conventions und berühmte Body-Art-Künstler wie der jüngst verstorbene Polynese Paulo Sulu’ape, die Amerikaner Paul Booth und Leo Zulueta oder der Japaner Kazuo Oguri werden kultisch verehrt.

 

Ursprung des Tattoos



Woher stammt das Tätowieren?

Die Kunst am Körper wird seit Jahrtausenden in Kulturkreisen von Afrika bis Japan geschätzt. Sie könnte sich aus Körperbemalungen zur Tarnung bei der Jagd oder zur Abschreckung von Feinden entwickelt haben.

Man geht davon aus, dass es bereits in der Hochkultur des alten Ägypten Tätowierungen gab. Archäologische Funde zeigen, dass zu jener Zeit Steinplatten zum Anreiben von Farbpigmenten in Gebrauch waren.

Klassische Gebiete der Tatauierung sind neben Afrika Mikronesien und Polynesien, Neuguinea, Japan und Indonesien.




Warum "Tattoo"?

Das Wort "Tattoo" entwickelte sich aus dem polynesischen Begriff "tatau", das "Zeichen", "Malerei" bedeutet. "Tatauierung" ist die wissenschaftliche Bezeichnung für die kunstvollen Hautmuster.



Was bedeuten Tattoos?

In vielen Teilen der Welt geben Tätowierungen Auskunft über Alter und soziale Stellung des Trägers. Sie können auch auf die Clanzugehörigkeit hinweisen oder als Auszeichnungen für besondere Verdienste dienen. Oft sind sie Zeichen der Trauer, Bestandteil von Initiationsriten und religiösen Zeremonien oder haben magische Funktion.




Wie funktioniert das Tätowieren?

Beim Tätowieren werden Muster in die Haut geritzt oder gestochen und Farbpartikel unter die obersten Hautschichten gespritzt, wo sie sich dauerhaft einkapseln. Die Haut wird dazu mit einem scharfen Instrument - einem Dorn, einem zugespitzten Knochen, einem Tatauierkamm oder einer elektrischen Nadel - punktiert.

Die traditionellen polynesischen Werkzeuge zur Herstellung von Tatauierungen sind ein Meißel und ein Holzstöckchen. Der Meißel aus Vogelknochen, Perlmutt, einem Hai- oder einem Wal-Zahn wird spitz zugefeilt, mit einem aus Nüssen gewonnenen schwarzen Farbstoff beträufelt und mit Hilfe des Stöckchens in die Haut geklopft. So entsteht eine wasserfeste bläulich-schwarze Tönung unter der Haut.

In Neuseeland und im Pazifikraum wird der "Uhi" benutzt: eine Art Hammer mit Nagel, mit dem die Farbe in die Haut geklopft wird.
In China wird ein Röhrchen verwendet, in dem eine lange Nadel auf und ab gestoßen wird. Bei der japanischen Technik der Tätowierung werden mehrere feine Nadeln in einen Holzstab eingesetzt, in eine Tuschelösung eingetaucht und mit dem Handballen in die Haut getrieben.

Nach einem ganz ähnlichem Prinzip funktionieren die Ende des 19. Jahrhunderts erfundenen "Tattaugraphen". Die elektrischen Tätowiermaschinen besitzen einen Metallstift, dessen Spitze mit einer oder mehreren Nadeln bestückt ist. Die Nadeln können auf unterschiedliche Eindringtiefen eingestellt werden. Mit dieser Erfindung wurde das Tätowieren nicht nur einfacher, sondern auch weniger schmerzhaft.





Mit einer modernen Tätowiermaschine werden gleichmäßig bis zu 3.000 Stiche pro Minute in die Haut gesetzt. Mit jedem Stich gelangen Farbpigmente in die eingeritzte Oberhaut. Dabei werden zunächst die Konturen des Motivs gestochen, danach die Schattierungen und schließlich größere einfarbige Flächen. Die vibrierenden Nadeln sorgen für gleichbleibenden Druck und gleichmäßige Farbzuführung. Zudem gibt es verschiedene Aufsätze mit einer unterschiedlichen Anzahl von Nadeln. Konturen werden üblicherweise mit drei Nadeln gestochen, für Flächen benutzt man Aufsätze mit bis zu 14 Nadeln.

Bei professionellen Tätowierungen werden die Farbpigmente in die obere und mittlere Lederhaut gestochen. Die Stiche sollten etwa 1 bis 1,5 Millimeter tief sein. Wird zu oberflächlich tätowiert, verschwindet oder verblasst die Farbe nach einiger Zeit. Wird zu tief gestochen, verläuft die Farbe in der Haut.



Beim Tätowieren können verschiedene Farb-Pigmente zum Einsatz kommen. Die Palette der Tattoo-Farben reicht von Schwarztönen (meist Eisenoxide), über Blautöne (etwa Kobaltaluminat), Grüntöne (Chromoxide), Brauntöne (Eisensulfate), Rottöne (Cadmiumrot, Selenrot, Zinnober), Gelbtöne (Cadmiumsulfid), bis hin zu Violett (Mangansalze) und Weiß (Zinkoxid, Titandioxid).


 

Seit wann gibt es Tätowierungen?

Die Geschichte der Tattoos geht bis weit in die vorchristliche Zeit zurück. So wurden vermutlich bereits um 12.000 vor Christus Zeichen in die Haut gestochen. In eigens beigefügte kleine Wunden wurde Asche gerieben und bildete so ein Muster.

Etwa 8.000 vor Christus verwendete man spitze Gegenstände wie Dornen oder Tätowierkämme, um kleine Löcher in die Haut zu stechen. Statt Asche rieb man unlösliche Pigmente in die winzigen Wunden.

Der älteste tätowierte Mensch, der je gefunden wurde, ist "Ötzi", die etwa 5.300 Jahre alte Gletschermumie. Seine Tattoos dienten wahrscheinlich therapeutischen Zwecken, da sie in Bereichen gefunden wurden, die anfällig für Krankheiten sind - wie etwa Lendengegend, Knie und Fußgelenke. Die Tätowierung scheint hier eine spezielle Art der Akupunktur gewesen zu sein.

1769 berichtete der britische Kapitän James Cook von seiner ersten Reise nach Polynesien und beschrieb Menschen, die ihre Körper mit Farbe bemalten. Der Seefahrer und Entdecker führte das Wort "tattow" in die englische Sprache ein und machte die Hautkunst in weiten Teilen Europas bekannt.

 

Welche Arten von Tattoos gibt es?

Die neuseeländischen Maori sind Meister der geometrischen Tätowierung. Häufig bedeckt ihre Hautkunst den ganzen Körper, einschließlich Kopf und Zahnfleisch. Eine Gesichtstätowierung, das so genannte Moko, war für die Maori Kennzeichen eines tapferen Kriegers. Die Tatauierungen waren so individuell, dass die Häuptlinge ihr Moko sogar als Unterschrift auf Verträgen mit Weißen benutzten. Heute ist das Einritzen traditioneller Muster in dieser Gemeinschaft ein Teil kultureller Rückbesinnung.

Eine ebenfalls außergewöhnliche Form der Tätowierung ist das japanische "Irezuma", auch "Japanischer Anzug" genannt. Dabei wird meistens ein "Bodysuit", eine Vollkörpertätowierung, vorgenommen. Lediglich Hände, Füße und Kopf werden ausgelassen. Die Bilder auf der Haut stehen in engem Zusammenhang und erzählen eine Geschichte.

In manchen Gebieten Asiens und Nordamerikas – etwa bei den Inuit - werden geschwärzte Fäden in die Haut genäht.

Gegenständliche Tattoo-Motive entwickelten sich zuerst in Asien. So trugen etwa japanische Feuerwehrmänner traditionell einen Wasserdrachen, um sich vor Verbrennungen zu schützen. Melanesische Fischer tragen Delfin-Tattoos zum Schutz vor Haien.

Auch im europäischen Kulturkreis war das Tätowieren unter Seeleuten üblich. Mit Hilfe religiöser Symbole konnten sie sich als gute Christen ausweisen und so auf die Vergebung ihrer Sünden hoffen. Andere Motive erzählten von mutigen Taten und fremden Kulturen.

Im Pazifikraum tätowierte man je nach Lebensabschnitt bestimmte Muster und Ornamente in die Haut, um die Götter über die jeweilige Person aufzuklären. Tatauierungen wurden sogar noch auf dem Sterbebett angefertigt, um dem Toten einen guten Platz im Jenseits zu sichern.

In Tibet und Indien tätowierte man traditionell nach einem Trauerfall, um mit dem körperlichen Schmerz den seelischen zu überwinden und den Verstorbenen für immer in Erinnerung zu behalten.

In manchen Gebieten Afrikas versuchte man durch das Einritzen von Hautmustern während der Schwangerschaft das Geschlecht des Kindes und seinen Werdegang zu beeinflussen.

Tatauierungen zu therapeutischen Zwecken gab und gibt es etwa auf Samoa. Dort soll die Hautkunst insbesondere Rheumakranken helfen. In Afrika werden Tätowierungen in Verbindung mit Narbenschnitten zur Kräftigung des Immunsystems und als Impfung angebracht.

 


Tut das Tätowieren weh?

Das Schmerzempfinden ist individuell verschieden. Relativ einstimmig wird berichtet, dass die "Outlines", die Randlinien, schmerzhafter sind als Schattierungen oder Füllarbeiten. Das Schlimmste kommt also zuerst und alles andere ist dann halb so wild. Dies liegt wohl daran, dass sich der Körper nach und nach auf das unangenehme Stechen einstellt. Es gibt allerdings besonders schmerzempfindliche Partien, wie etwa das Schienbein. Da heißt es Zähne zusammenbeißen!

Weniger Mutige können auf Tattoos zurückgreifen, die wie Abziehbilder auf die Haut geklebt werden und nach etwa einer Woche verschwinden.


Ist Tätowieren mit Risiken verbunden?

Beim Tätowieren mit in Farbe getauchten Nadeln kommt es zu einer oberflächlichen Verletzung der Blut- und Lymphgefäße. Daher kann es bei mangelnder Hygiene zur Übertragung chronischer Infektionen wie Hepatitis, AIDS, Tuberkulose und Syphilis kommen.
Auch die Beschaffenheit der Farben kann ein Risiko in sich bergen. So können die verwendeten Farbstoffe zu Reizungen oder Allergien führen, wenn sie beispielsweise mit Schwermetallen belastet sind.


Worauf sollte man achten?

Tattoo-Studio
Bevor der Tätowierer mit seiner Arbeit beginnt, muss er die betreffende Hautfläche mit Alkohol desinfizieren. Er ist zudem verpflichtet, mit Einmalhandschuhen zu arbeiten und vor Arbeitsbeginn neue Nadeln in seine Maschine einzusetzen. Nadeln und Führungen müssen in einem sterilen Behälter aufbewahrt werden. Der Tätowierer sollte die Vaseline nicht mit der Hand, sondern mit einer Spachtel auftragen und für jeden Kunden frische Farbtöpfe verwenden.

Da die Farbpigmente nach dem Tätowieren teilweise wieder durch das Lymphsystem ausgeschieden werden können, zeigt sich das endgültige Ergebnis meist erst nach zwei bis sechs Monaten. Ein erfahrener Tätowierer sorgt mit entsprechender Dosierung von Pigmenten und richtiger Eindringtiefe dafür, dass die Zeichnung klar bleibt. Eventuelles Nachstechen sollte im Preis inbegriffen sein.

Was tun, wenn's nicht mehr gefällt?


Zur Entfernung unerwünschter Tattoos können sehr unterschiedliche Techniken angewendet werden. Die oberen Hautschichten können mit chemischen Stoffen behandelt, abgeschliffen oder operativ entfernt werden. Zudem gibt es Verfahren, die mit Hitzeeinwirkung arbeiten. Die Lasertechnik ist so weit entwickelt, dass man Tattoos mittlerweile restlos und nahezu schmerzfrei entfernen kann. Diese Methode ist allerdings noch sehr teuer.
Aufgrund der Vor- und Nachteile dieser Methoden sollten Betroffene in jedem Fall einen Hautarzt zu Rate ziehen.




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